Wie Rohrbach lebenswert bleibt

Wahlkampfauftakt der Grünen: Lebensqualität, Bezahlbarkeit und Klimaresilienz sind die Schwerpunkte
Von Anna Ermert

Programm- und Themenvorstellung der GRÜNEN Rohrbach

Mit einer Infoveranstaltung sind Rohrbachs Grüne in den Wahlkampf gestartet. Die Kandidaten der Listenplätze eins bis vier präsentierten das Programm: Im Zentrum stehen Begegnungsorte, Familie und Jugend, bezahlbares Wohnen, Umweltschutz und Mobilität.

Der Ortsvorsitzende Stefan Rädlein umriss das Ziel des Abends: Statt ein „geschlossenes“ Programm vorzustellen, wolle man Ideen präsentieren, die im Austausch mit Bürgern weiterentwickelt werden sollen. Dabei setze die Partei auf Gespräche: an Haustüren, über die Website, in einer Umfrage und bei Formaten zum Kennenlernen, etwa einem Schafkopfturnier, einem Grünen-Café oder einem Pub-Quiz.

Angeführt wird die Liste von Daniela Hahn: Aufgewachsen in Scheyern, engagierte sie sich früh als Schülersprecherin und im Jugendparlament. Als Studiengangskoordinatorin an der Uni München sammelte sie Erfahrung in Projekten und Gremien. 2018 zog sie nach Rohrbach. Ihre Schwerpunkte: Familien, Bildung, faire Startchancen, Barrierefreiheit sowie der Schutz von Umwelt und Landschaft für kommende Generationen.

Deutlich besser bekannt ist der 18-jährige Stefan Rädlein: Er wuchs in Rohrbach auf, ist Jugendtreffleiter vom „Let’s Fetz“, will Jugendbeteiligung und Begegnungsorte voranbringen. „Rohrbach ist auf einem guten Weg“, sagte Rädlein, „aber es gilt den Kurs Richtung Klimaneutralität konsequent fortzusetzen.“ Die Ergebnisse der Jugendkonferenz müssten umfassend umgesetzt werden, und die Jugend sollte dauerhaft mitreden können.

Hahn und Rädlein stellten die Themen Begegnungsorte, Familie und Jugend vor. Bis zur Wiedereröffnung des Alten Wirts soll der Rathausplatz grüner, verkehrsberuhigt und alltagstauglicher werden – mit flexiblen Sitzgelegenheiten und einem Pop-up-Biergarten. Vereine sollen bewirten können, abgesichert durch ein Konzept, das Versicherung und Verkehr regelt. Wünsche wie Wasserspender und öffentliche Toiletten wollen die Grünen aufgreifen. Ergänzend planen sie Workshops, etwa zu Gewaltprävention und Mediennutzung. Kultur und Ehrenamt sollen durch Förderungen, Sozialrabatte für Kulturangebote und eine gestärkte Ehrenamtskarte unterstützt werden. Eine Umfrage und ein jährliches Dankesfest sollen das Ehrenamt würdigen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Familien- und Jugendpolitik. Die Grünen fordern verlässliche Ganztagsbetreuung mit transparenter Gebührenpolitik, einkommensgestaffelten Geschwisterrabatten und regionalem Essen in Kitas. Ferienangebote wie der „Rohrbazi“ sollen ausgebaut, Lesepatenschaften gestärkt und Vereine sowie Betriebe für zusätzliche Angebote gewonnen werden, wobei die Gemeinde die Koordination übernehmen soll. Mehr Mitsprache sollen Jugendliche über Jugendkonferenzen, digitale Beteiligung und langfristig einen Jugendbeirat erhalten. Für sichere Heimwege planen die Grünen bessere Infos zum Flexibus, zusätzliche Abend- und Wochenendangebote sowie perspektivisch einen Anschluss an das Pfaffenhofener Rufbus-Modell „Linie Nacht“.

Verena Hock (26), gebürtige Rohrbacherin und Fluggerätmechanikerin, sprach über Vielfalt beim Wohnen. „Ich bringe technisches Verständnis und einen Blick fürs Machbare mit“, meinte sie. Die Grünen setzen auf Innenentwicklung statt neuer Versiegelung: Leerstände aktivieren, Baulücken nutzen, Tauschoptionen im Alter fördern und Mehrgenerationenprojekte ermöglichen. Auch „Enkelgrundstücke“, die ungenutzt bleiben, sollen stärker aktiviert werden. Neue Wohnideen wie Tiny-House-Modelle wollen die Grünen erproben. Der spürbare Rechtsruck der letzten Jahre habe sie motiviert, sich aktiv einzusetzen.

Dies bekräftige auch Philipp Schooff (39). Der Meister im Garten- und Landschaftsbau steht für Klimaschutz, Energie und Mobilität. Er will Rohrbach hitze- und starkregenfester machen: per „Schwammstadt“-Prinzip, mehr Entsiegelung, zusätzliche Begrünung, mobile Verschattungen

Der Artikel wurde im Donaukurier veröffentlicht